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27.07.2009
Die CO2-Bilanzierung kommt - Hype oder Chance?
Die Klimaschutzanforderungen an die Wirtschaft werden konkreter. Zuerst werden Unternehmen den Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) bilanzieren, dann reduzieren müssen. Jüngst hat das einflussreiche Normierungsinstitut British Standards Institute den Weg zur routinemäßigen CO2-Bilanzierung geebnet. Klaus Ballas, verantwortlicher Partner bei J&M, erläutert, was dies für Unternehmen bedeutet.
Am 29. Oktober wurde die PAS 2050, eine Richtlinie zur Messung des Carbon Footprint von Produkten und Dienstleistungen, verabschiedet. Damit existiert jetzt eine robuste Standardmethodik, mit der Unternehmen den CO2-Ausstoß über den gesamten Lebenszyklus von Produkten erfassen können. PAS 2050 verdient Beachtung, denn daran wirkten rund 1.000 Industrieexperten mit. Und auch die ISO-Normen 9001 und 14001 gingen aus PAS-Richtlinien hervor.

Warum sollten sich Unternehmen jetzt mit der Messung und Reduktion von CO2 beschäftigen?
Klaus Ballas: Die weltweiten Anstrengungen, einen Industriestandard für die CO2-Bilanzierung zu schaffen, kommen zügig voran. Gleichzeitig haben sich internationale Industrie- und Handelsunternehmen des Themas angenommen und versuchen, die CO2-Emissionen entlang der gesamten Lieferkette zu messen und zu verringern. Auch in Deutschland laufen bereits Initiativen, zum Beispiel das Product Carbon Footprint Projekt mit den Unternehmen dm drogerie markt, DSM, Henkel, REWE, Tchibo, Tengelmann, T-Home und Tetra Pak. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch deren Lieferanten beim CO2-Thema auskunfts- und wettbewerbsfähig sein müssen.
Sind das denn nicht nur Kosten, die man so lange wie möglich vermeiden sollte?
Klaus Ballas: Nein. Klimaschutz ist eine ökonomische Chance. Denn Unternehmen, die den CO2-Ausstoß ihrer Supply Chain konsequent verringern, erhöhen langfristig die Effizienz.
Können Sie das erläutern?
Klaus Ballas: Wer Transportkilometer und Verpackungsaufwand reduziert, arbeitet nicht nur klimafreundlicher, sondern auch wirtschaftlicher. Wichtig ist aber, dass man nicht zu kurz springt und sich zum Beispiel nur auf die Logistik beschränkt. Denn die trägt im gesamten Produktlebenszyklus meist wenig zum CO2-Ausstoß bei und kann sogar zu falschen Entscheidungen führen. Eine ganzheitliche Betrachtung ist daher unerlässlich, am besten im Rahmen einer Green Supply Chain Scorecard.
Wal-Mart hat in seiner Scorecard bereits konkrete Klimaschutzziele verankert. So soll die Energieeffizienz bestehender Häuser in sieben Jahren um 20 Prozent steigen und die eigene LKW-Flotte soll in drei Jahren um 25 Prozent energieeffizienter fahren. Außerdem arbeitet Wal-Mart intensiv mit dem Carbon Disclosure Project zusammen. Das führt dazu, dass der Handelskonzern seine Lieferanten auffordert, CO2-Emissionen offen zu legen und zur Emissionsreduktion beizutragen. Auch in Deutschland werden sich die Handelsunternehmen diesen Anforderungen bald stellen müssen. Wirkt sich CO2-Reduktion auch auf den Umsatz aus?
Klaus Ballas: Ja. Und zwar positiv! Das kristallisiert sich aus einer Studie heraus, die wir derzeit zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Management Forschung erarbeiten. CO2-Reduktion führt zur Entwicklung neuer Produkte, die bewusste Käufergruppen ansprechen. Damit können sich Markenartikler zusätzlich vom Discount differenzieren. Der britische Textileinzelhändler Marks & Spencer hat seinen Carbon Footprint analysiert und hilft auch den Kunden bei der Treibhausgasreduktion, zum Beispiel durch den Hinweis auf Pflegeetiketten, bestimmte Textilien nur bei 30 Grad zu waschen. Diese Maßnahme sorgt für ein stimmiges Image beim Verbraucher, was wiederum den Umsatz fördert.
Was ist konkret zu tun?
Klaus Ballas: Der erste Schritt ist Transparenz, sodass man auf der gesamten Lieferkette auskunftsfähig wird. Wo in der Supply Chain entstehen wieviel Treibhausgase? Wie tragen die einzelnen Produkte und Services zu den CO2-Emissionen bei? Wie verhalten sich die Emissionen zu bereits bestehenden Standards? Genau dafür hat J&M den Green SCAN entwickelt. Das strukturierte Verfahren ermöglicht es, die eigene Strategie zu klären und künftige CO2-Maßnahmen auf die Unternehmensziele im Sinne einer Green SC Scorecard zu definieren. Der Green SCAN identifiziert konkrete Handlungsfelder und eröffnet den Einstieg in eine Entwicklung, die signifikante Chancen bietet.

Weitere Informationen: Klaus Ballas, Partner, J&M Management Consulting AG, Telefon +49 (0) 621 12 47 69 - 0 oder per E-Mail k.ballasjnm.com.